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"Beginne den Gottesdienst pünktlich und ziehe ihn nicht unnötig in die Länge. Geh in der Predigt auf die Fragen ein, die die Zuhörer bewegen. Entwickle deine Gedanken in guter, logischer Folge. Vermeide ausgefallene Wörter und Redewendungen, auch wenn sie gerade in Mode sind."

John Wesley (1703 - 1791)

Montag 05. November 2018 08:54Alter: 200 days
/ Kategorie: Europa

Übernehmen Roboter die Seelsorge?

Prof. Dr. Michael Wörz hielt beim Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen den Eröffnungsvortrag in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen mit dem Titel «Künstliche Intelligenz und Ethik – Zur digitalen Transformation der Gesellschaft». Der nicht steuerbare Prozess betreffe auch die Theologie im Kern.

Lebendiger Vortragsredner mit herausforderndem Thema: Prof. Dr. Michael Wörz beim Vortrag über Künstliche Intelligenz. (Bild: THR)

Michael Wörz, Professor, Diplom-Ingenieur und Philosoph sowie Referent für Wissenschaftsethik an den Hochschulen Baden-Württembergs hielt den Eröffnungsvortrag beim Studium Generale der drei Reutlinger Hochschulen in der Aula der Theologischen Hochschule Reutlingen. An mehreren Abenden wird dabei während eines Jahres das Thema «Künstliche Intelligenz» von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Neben der technischen Seite wie autonomes Fahren und medizinische Diagnostik werden auch anthropologische Folgen und ethische Herausforderungen thematisiert werden.

 

Schnell, dynamisch, nicht steuerbar

Wörz hob in seinem einleitenden Vortrag darauf ab, dass mit den Kategorien von Aufklärung und Moderne die extrem schnelle Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und die Folgen nicht mehr zu fassen seien. Das Denken müsse sich also auf völlig neue Gegebenheiten einstellen. Künstliche Intelligenz ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen so programmiert sind, dass sie selber lernen und sich selbst fortlaufend verbessern. Die Entwicklung schreitet schnell und dynamisch voran: Inzwischen führen Computer nicht nur Steuerprüfungen durch und helfen bei der medizinischen Diagnostik, sondern verfassen Zeitungsartikel, schreiben Gedichte, komponieren und malen. Kein Bereich der Arbeitswelt werde von den Folgen dieser Entwicklung ausgenommen sein. Oder vielleicht doch das, was mit Empathie, Emotionalität oder Intimität zu tun hat? Seelsorge?? Man könne sich nicht einmal in dieser Frage mehr sicher sein, sagte Wörz. Wie der Fortschritt zu steuern sei – wenn er überhaupt steuerbar ist –, diese Frage blieb am Ende offen. Es dürfte schon jetzt Lebensbereiche geben, in denen nicht der Mensch die Maschine steuere, sondern der Mensch von der Maschine gesteuert werde.

 

Demokratie und Theologie herausgefordert
Dem Referenten war daran gelegen, immer wieder die Theologie in die Diskussion einzubeziehen: Werde die Künstliche Intelligenz das «theologisch Höchste» überflüssig machen oder ersetzen? Wie seien die Bereiche von Zwischenmenschlichkeit, Empathie und Liebe zu bewahren? Was seien Sinn-Entwürfe für den Menschen? Hier lägen eine Fülle von Aufgaben, die die Theologie im Kern beträfen. Wörz mahnte die Theologie, sich jetzt um Antworten auf diese Fragen zu bemühen, sonst werde es für sie bald zu spät sein, genauso wie für das Projekt der Moderne, die Demokratie.
Die Frage, ab also künftig Roboter die Seelsorge übernehmen würden, blieb am Vortrag offen. Die «gefühlte Antwort» war: Auf gar keinen Fall – und dennoch wird es bald so kommen!

 

Quelle: Christof Voigt, th-reutlingen.de / emk.de

 

Studium Generale

Seit einigen Jahren bietet die Theologische Hochschule Reutlingen gemeinsam mit der Hochschule Reutlingen, der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg - Campus Reutlingen, der evangelisch-katholischen Hochschulgemeinde und Campus Reutlingen e.V. Vorlesungsreihen zu Themen an, die die Gesellschaft aktuell und oft kontrovers diskutiert. Die Veranstaltungen sind jeweils öffentlich.


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